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Über dieses Interview hat Arno Luik auf dem Reporter-Workshop 2009 gesprochen.
Er ist berühmt als einer der klügsten Köpfe Deutschlands - Walter Jens. Doch der wortgewaltige Professor versank in eine Welt jenseits der Sprache, jenseits der Gedanken. Er ist dement. Seine Frau Inge Jens sagt: "Den Mann, den ich liebte, gibt es nicht mehr"
Am Esstisch in seiner Wohnung sitzt Walter Jens, er trägt einen farbigen Ringelpullover und Bluejeans. Überall stehen Blumen, vor zwei Wochen ist Jens 85 Jahre alt geworden, die Spitzen des Staates gratulierten ihm, sie feierten ihn als "letzten großen Intellektuellen der Republik", als "sprachmächtigen Aufklärer".
Etwas zusammengesunken sitzt er jetzt da, er schaut auf seine Hände. Seine Frau sagt zu ihm: "Es sind Gäste hier.
Kennst du noch Herrn Luik?" Walter Jens blickt auf, lächelt freundlich, sagt mit merkwürdig heller, fast kindlich-fröhlicher Stimme: "Ja, ja!" Dann blickt er wieder auf den Tisch, auf die Hände. "Kennst du auch noch den Fotografen, Herrn Hinz?" Walter Jens blickt wieder auf, lächelt freundlich, sagt im gleichen Tonfall: "Ja, ja!" Dann blickt er wieder auf den Tisch, auf die Hände. Plötzlich weint er.
?: Frau Jens, Sie sind die Witwe eines Mannes, der noch lebt.
!: Nein, das bin ich nicht, aber ich bin jemand, der seinen Partner verloren hat. Den Mann, den ich liebte, gibt es nicht mehr. Dass ich seine Frau bin, das sagt ihm nichts. Ich bin ihm irgendwie vertraut, das spüre ich, so vertraut wie ein altes Möbelstück. Die wirklich harte, unendlich traurige, schmerzvolle Zeit habe ich allerdings hinter mir.
?: Sie haben Abschied genommen von Ihrem Mann?
!: Ja. Was Sie wahrscheinlich kaum realisieren können, ist, was es heißt, dass der Mann, der aussieht, als wenn er der Ihre wäre, der Ihre nicht mehr ist. Zurück |